Eine Antwort auf den offenen Brief von Dieter Hennig: Offener Brief von Dr. Peter Rausch-Steiff an Bürgermeister und Gemeinderäte

Herrn Bürgermeister Martin Löffler,
Damen und Herren Gemeinderäte
der Stadt Heitersheim

79423 Heitersheim

Offener Brief (Badische Zeitung vom 30.08.2019)

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Löffler,
sehr geehrte Damen und Herren Gemeinderäte,

bitte gestatten Sie mir, Sie in Zusammenhang mit dem in der Badischen Zeitung vom 30.08.2019 zitierten offenen Brief direkt ansprechen zu dürfen.

Zitat: „Mit großer Sorge erleben wir die äußerst negativen Veränderungen in der politischen Auseinandersetzung und im gesellschaftlichen Miteinander in Heitersheim“: Mit diesen Worten eröffnen die in der BZ nicht genannten Verfasser ihren o.g. offenen Brief.

Welche Form politischer Auseinandersetzung und gesellschaftlichen Miteinanders den Verfassern dieses offenen Briefes selbst zu eigen ist scheint anhand des gewählten Vokabulars schnell deutlich zu werden: So wird die Arbeit der Bürgerinitiative Malterserschloss (BIM) als „die Bevölkerung … manipulierend und aufhetzend“ beschrieben; hinsichtlich der Zielsetzung der BIM wird von „Diskreditierung, Einschüchterung und Vertreibung des Bürgermeisters“ gesprochen, die BIM wird als Plattform von „Drahtziehern“ – diese verantwortlich für eine „aktuelle(n) Kampagne“ – dargestellt.

Der oben genannte, offene Brief liest sich wie eine Ansammlung heftiger, Integrität und Persönlichkeit der Angesprochenen verletzender Vorwürfe; die von den Verfassern gewählte Diktion (s.o.) lässt eine andere Einordnung kaum zu. Er wendet sich nicht selbst an die inhaltlich Angesprochenen, sondern an Bürgermeister, Gemeinderäte, die Bürger: Hier wird über andere gesprochen und nicht mit anderen.

Wo finden sich in Form und Inhalt dieses offenen Briefes Hinweise auf den eingeforderten gegenseitigen Respekt oder auf die Toleranz gegenüber den darin Angesprochenen? Wie wollen die Verfasser zukünftig noch mit den Menschen sprechen, welchen sie zuvor in solcher Weise in der Öffentlichkeit deren Vertrauenswürdigkeit abzusprechen versucht haben? Wollen Sie dies überhaupt?

Hat „Sorge“ (s.o.) ein solches Gesicht?

Als Mitglied der Bürgerinitiative Malteserschloss machen mich die in o.g. offenen Brief getätigten Äußerungen betroffen. Dies nicht nur, da sie m.E. dazu angetan sind Gräben eher zu vertiefen anstatt diese zuzuschütten, sondern weil wichtige Inhalte auf der Strecke zu bleiben drohen.

Hierfür ein Beispiel: Kinder, welche ihres gesamten Daseins viel zu früh beraubt werden, nämlich sterbende, gehören nicht zu denen, welche sich vernehmlich politisches oder gesellschaftliches Gehör verschaffen können: Gibt es für eine Gesellschaft wie auch für jede Partei bzw. politische Gruppierung mit sozialer Verantwortung einen Grund, sich nicht vorrangig (!) für eine solche Gruppe von Mitbürgern, hier in Form eines Kinderhospizes, einzusetzen?

Das Malteserschloss ist nicht irgendeine Immobilie (egal welcher Größenordnung), sondern stellt ein Kulturdenkmal mit Tradition und Bedeutung für Stadt und Region dar. Neben rein Eigentümer-bezogenen Interessen bestehen damit auch solche der Öffentlichkeit. Der inzwischen sicher fortgeschrittene Prozess mit dem Ziel einer Kapitalisierung des Schlosses bleibt als solcher für die Öffentlichkeit praktisch verschlossen. So ist beispielsweise nichts über die Person des „dritten“ Investors bekannt – im Kontext des anstehenden Verkaufes eines Kulturdenkmales und -gutes eine vielleicht nicht ganz unwesentliche Frage – neben anderen. Im Mai 2018 beabsichtigte der Gemeinderat (mit hinterlegtem Beschluß) die Erstellung eines Nutzungskonzeptes für das Malteserschloß – mit anderen Zielen als denen einer Privatisierung gemäß des sog. „Investorenmodells“.

Warum wird auf diesem Hintergrund die BIM in oben genannter Weise angegriffen, wenn sie sich – übrigens im Sinne des genannten Gemeinderatsbeschlusses – um eine der Öffentlichkeit dienende Alternative, eingebettet in und begründet durch einen transparenten demokratischen Diskurs, bemüht?

Leidtragende eines in konfrontativer Weise fehlgeleiteten politisch-gesellschaftlichen Miteinanders, welches o.g. offener Brief nicht nur beklagt, sondern leider wirkmächtig zu bedienen scheint, sind, wie oben am Beispiel des Kinderhospizes angemerkt, sehr schnell diejenigen, welchen die Gesellschaft als Ganzes eine Übernahme von Verantwortung schuldig ist.

Es darf nicht um das Wohl einzelner oder einer bestimmten Gruppierung gehen: Hier stimme ich den Verfassern des o.g. offenen Briefes uneingeschränkt zu – und ergänze: Lassen Sie uns bitte genau deshalb im Hinblick auf die Zukunft des Malteserschlosses gemeinsam nach Lösungen suchen, welche der Allgemeinheit dienen.

Auf o.g. offenen Brief sind sicher verschiedene Reaktionen vorstellbar. Anstatt diesem Umgang zu folgen scheint es mir notwendig innezuhalten und nach deeskalierenden Wegen zu suchen, um Konflikte zu beruhigen, anstatt sie zu befeuern, vor allem aber, um verantwortlichem Handeln den erforderlichen Raum zu geben.

Vor diesem Hintergrund schließe ich mit den folgenden, an Sie gerichteten Bitten:

· Nehmen Sie die Ziele der BIM bitte gemäß ihrer Inhalte wahr, und nicht als Vehikel persönlicher, von den Belangen der Allgemeinheit losgelöster Interessen.

· Bitte folgen Sie nicht einer Argumentation, welche den Mitgliedern der BIM hinsichtlich deren Zielen ernsthafte Absichten abspricht.

· Unterstützen Sie da, wo Sie die Notwendigkeit und gleichzeitig die Gelegenheit hierzu sehen, das Zustandekommen eines Dialoges zwischen Mitbürgern mit und ohne politische Funktion.

· Bitte verhindern Sie die Finalisierung des sog. Investorenmodells und geben dem Malteserschloß – an erster Stelle in Form des Kinderhospizes als identitätsstiftendem Zentrum – die Chance in neuer Weise eine Einrichtung zu werden, von welcher karitatives und sozialen Belangen verpflichtetes Denken und Handeln ausgeht. Tun Sie dies bitte, solange hierfür noch Zeit bleibt!

Für meine Ausführungen bitte ich um Ihr Verständnis, danke Ihnen für Ihre Geduld und verbleibe

mit freundlichen Grüßen

Peter Rausch-Steiff